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Friday, 3 April 2009

Deutsche Städte: Gelsenkirchen

Im Fernsehn wär sie Biathlon.
Im Lichtspiel wär sie Schatten.
Im Fluss wär sie ein Rudel von
vermutlich Bisamratten.

Bei Weizenernten wär sie Stroh.
Bei Blutwurst wär sie Pelle.
Bei Beckmann wär sie Guido
vermutlich Westerwelle.

Als Krankheit wär sie Pandemie.
Als Fleisch stinksaure Nierchen.
Als Menschensiedlung wäre sie
vermutlich Gelsenkirchen.

Thomas Gsella

Monday, 9 March 2009

Deutsche Städte: Hamburg

Wie froh die Stadt, die alles hat:
den faulen Wind der Meere,
Mainstreamgazette, Tittenblatt
und deren Millionäre.

Wie stolz die Stadt, die immer kann:
zum Schwitzen an die Strände,
zum Spritzen auf die Reeperbahn,
zum Spitzen die Vidende.

Wie Tor zur Welt, wie frei der Geist:
Sich nehmen heißt hier geben.
Im Glanze, den der Teufel scheißt,
soll Hamburg ewig leben.

Thomas Gsella

Wednesday, 4 March 2009

Deutsche Städte: Halle

Sich schämen, das ist lange her,
das macht man heut ja nimmer.
Die Menschen schämen sich nicht mehr,
denn schamlos sind sie immer.

Nur hier tun's alle Menschen noch!
Hier wird vor Scham gestammelt.
Hier hat sich wie im Schwarzen Loch
die Scham der Welt versammelt

und sitzt den Menschen im Genick.
Schamrot sind Ohr und Nüstern,
derweil sie mit verschämtem Blick
"Ich bin Hallenser" flüstern.

Thomas Gsella

Monday, 23 February 2009

Deutsche Städte: Köln

Soll mal keiner sagen das ich ein Karnevalsmuffel wär....helau auch!


Hier sitzt ja nun nicht irgendwer.
Hier sitzen Medienhäschen
von RTL und WDR
vor lächerlichen Gläschen.

Pro Runde gibt's zwei Schlückchen Bier,
die äußerst gut verschalt sind.
Auch die von n-tv sind hier
mit News, die gut bezahlt sind,

und Super RTL und Vox,
weil niemand sie entfernt hat
und halt das ganze Köln-Gesox
nix Richtiges gelernt hat.

Thomas Gsella

Thursday, 12 February 2009

Deutsche Städte: Frankfurt/Oder

Sie liegt in einem falschen Land,
das wahr und schön und gut war.
Doch dann geriet's in falsche Hand,
weil's Böse auf der Hut war.

Nun ist sie reine Clownerie,
ein Witz mit Arsch und Ohren,
und war doch als Hybridkopie
von Anbeginn verloren.

Sie heißt gar wie die richtige!
Hoho, welch ein Zinnober!
Ein Prosit auf die wichtige
Stadt "Frankfurt" an der Oder!

Thomas Gsella

Wednesday, 4 February 2009

Deutsche Städte: Gießen

Die Häuserzeilen prangen bunt
wie Prismen in der Sonne
und spinnen reine Schönheit rund
um Menschen voller Wonne.

Gebildet, ohne Hochmut stolz
und nur von besten Sitten
die Herren und mit reichlich Holz
die Damen vor der Hütten.

Das Leben süß wie dies Poem,
da Milch und Honig fließen.
Als Gegenstück zu alledem
und ekelhaft gilt Gießen.

Thomas Gsella

Saturday, 31 January 2009

Deutsche Städte: Cottbus

Es braucht nicht immer Wein zum Fisch.
Man darbt auch ohne Schinken.
Man kann auch ohne Stuhl und Tisch
aus Regenpfützen trinken.

Es braucht nicht immer Glück statt Frust.
Man kann auch schluchzend leben.
Man kann auch ohne Lebenslust
nach Gram und Trübsal streben.

Es braucht nicht immer's große Los.
Man kann's auch hintertreiben.
Man kann auch aller Hoffnung bloß
in Cottbus wohnen bleiben.

Thomas Gsella

Monday, 26 January 2009

Deutsche Städte: Leipzig

Sie war wie eine Kirchenmaus
so arm und abgerissen.
Jetzt heißt sie Boomtown und sieht aus,
als hätt' wer Gold geschissen.

Die Shopping-Malls sind aus Saphir
und menschenleer zum Gähnen.
In hippen Bars tropft dummes Bier
aus diamantnen Hähnen.

So hat sie Stil und ihren Preis,
die dickste aller Maden:
Pro Tag frisst Leipzig ohne Scheiß
zehn West-Fantastilliarden.

Thomas Gsella

Saturday, 10 January 2009

Deutsche Städte: Berlin

Sie reden viel und fehlerhaft
dank deformierter Kehle.
Sie vegetiern im eignen Saft
und halten das für Seele.

Sie können nichts und wissen nichts
und sind zu dumm zum Siezen.
Sie hoffen nichts und missen nichts
und schimmeln in den Kiezen

und sind, dem Herrgott sei's geklagt,
zu blöd zum Brötchenholen.
Wer Hauptstadt der Versager sagt,
der meint Berlin (bei Polen).

Thomas Gsella

Friday, 2 January 2009

Deutsche Städte: Minden

Vor mir sah'n Fremde sie noch nie.
Ich sag: Es würd' sich lohnen!
Zwar treffen sie oft nicht mal die,
die Jahre in ihr wohnen -

Sie finden morgens halbwegs raus
und abends nicht zurück
und bauen sich ein neues Haus
im nahen Osnabrück -

Doch gibt es einen Weg hinein!
Am Ortseingang zwei Linden,
und auf der zweiten, winzig klein,
ein Schild: "Ortsausgang Minden".

Thomas Gsella

Friday, 26 December 2008

Deutsche Städte: Bochum

Kommt man von Norden angereist,
dann ist's zum Haareraufen:
Die Häuser grad wie hingescheißt
versammeln sich zum Haufen.

Noch teuflischer von Süden her.
Am Ortseingang zwei Straßen,
die sieht man an und kann nicht mehr.
Es ist schlicht nicht zu fassen.

Doch allseits macht dies Schreckensnest
den Reisenden beklommen:
Man darf ja auch von Ost und West
niemals nach Bochum kommen.

Thomas Gsella

Thursday, 18 December 2008

Deutsche Städte: Bielefeld

Vor vielen hundert Jahren schon,
da sprach ein Mann zu seinem Sohn:
"Ich hab das Leben, ach! so satt;
wohlan, wir gründen eine Stadt!"

Der Sohn war wie der Vater toll
vor Menschenhass und Lebensgroll
und sprach: "Sie soll auf Erden
ganz einzigartig werden!"

So bauten sie. Bald war vollbracht,
was Ekel, Zorn und Wut erdacht.
Und also kam auf diese Welt
der Teufel namens Bielefeld.

Thomas Gsella

Monday, 8 December 2008

Deutsche Städte: Bremen

Als hätt er meine einleitenden Worte über seinen München Text gelesen, legt der Herr Gsella gleich eine, höchstwahrscheinlich bayrische, Antwort nach:

Die Menschen sehen ängstlich aus.
Sie reden nicht, sie munkeln.
Sie gehen ungern aus dem Haus
und keinesfalls im Dunkeln.

Die Straßen wie bewegungslos,
die Luft wie aus Behältern.
Die Kinder sitzen regungslos
am Rande stummer Eltern.

Sie alle können Liebe nicht:
nicht geben und nicht nehmen.
Wär' Fortgang möglich, bliebe nicht
ein Bremerer in Bremen.

Thomas Gsella

Thursday, 4 December 2008

Deutsche Städte: München

Also...mal ein Frage: kann man als Norddeutscher an folgenden, zugegeben extrem polemischen Zeilen vorbei lesen ohne auch nur ein wenig zu lächeln, ein Kopfnicken anzudeuten oder laut "so isses!!" zu rufen? Nein? Kann man nicht? Oh, dann bin ich ja beruhigt!!

Das fängt bereits im Bahnhof an
und fährt dir in die Knochen.
Kaum dass man es beschreiben kann:
Es riecht, nein: nicht erbrochen,

es riecht nach faulem Hering nicht
und nicht nach grünem Schinken,
es stinkt einfach. Es herrscht ganz schlicht
das pure, reine Stinken.

Die Menschen atmen durch den Mund,
und dürften sie sich lynchen:
Sie täten es, so schrecklich und
unfassbar stinkt's in München.

Thomas Gsella